Folge 13: Wie können Unternehmen TikTok nutzen?

Folge 13: Wie können Unternehmen TikTok nutzen?

66 Minuten verbringen Nutzer:innen im Durchschnitt auf TikTok – jeden Tag! Nicht nur deswegen ist die Plattform für viele Unternehmen vielversprechend. Auch die hohen Reichweiten, die tendenziell jüngere User:innenschaft sowie die unzähligen Möglichkeiten für die Erstellung von Content machen TikTok spannend für die Unternehmenskommunikation. Doch wie starten? Und lieber einen eigenen Account, Kooperationen mit Creator:innen oder Anzeigen schalten?

Wir klären genau diese Fragen in der 13. Folge unseres Podcasts „Social Media-Expertenwissen“. Diesmal steht Digital Beraterin und TikTok Expertin Delia West Rede und Antwort. Sie erklärt, warum die Community auf TikTok so einzigartig und vielfältig ist, welche Themen dort gar nicht funktionieren, und mit welchen Insights ihr eine eigene Community aufbauen könnt.

Transkript

Off-Stimme: Social Media Expertenwissen. Der K12 Podcast. Folge 13.

Saskia: Ein Geständnis direkt zum Anfang. Ich habe mittlerweile fast jeden Tag einen Ohrwurm z.b. davon: „I feel like an Astronaut in the Ocean“. Das war jetzt vielleicht nicht ganz so schön, aber egal. Oder davon: „Bongo La Bongo Cha Cha Cha“. Ja, das kann ich am besten. Also wenn es jetzt noch nicht geklingelt hat bei euch, dann habt ihr wahrscheinlich keine allzu hohe Screentime. So wie ich im Moment. Ich rede nämlich von den Songs, zu denen alle möglichen Leute gerade Reals oder eben TikToks erstellen. Und um letzteres soll es heute gehen. Nämlich TikTok. Aber für Unternehmen
Ich hab da absolut gar keinen Plan von. Also von TikTok. Muss ich aber zum Glück auch nicht, denn ich hab ja Delia. Meine liebe Kollegin ist Beraterin im Social Media und Content Marketing Team und na klar TikTok- Enthusiast. Hab ich das jetzt richtig beschrieben, Delia?


Delia: Ja, das hast du schon richtig beschrieben. Ich sag mal, die App ist ja vor gut anderthalb, zwei Jahren irgendwie durch die Decke gegangen, oder? Da ist dieser Hype entstanden und ich bin ein Fan von neuen Plattformen, die auszuprobieren und das ist tatsächlich eine, wo ich einfach kleben geblieben bin bis heute und entsprechend auch ordentlich Screentime vorzuweisen habe.


Saskia: Ja, das mit der Screentime ist schlecht für mich. Also meine Screentime ist tatsächlich wegen der Reels, als das Instagram übernommen hat – da kommen wir auch noch gleich mal zu – sehr in die Höhe geschossen und ich schäme mich eigentlich dafür. Aber lass uns lass uns nicht über den Klon reden. Da kommen wir später dazu, sondern über TikTok selbst. Für alle, die wie ich nicht unbedingt wissen, wie das aussieht auf dieser App: Kannst du die Plattform so beschreiben. Was passiert da? Was gibt’s für Themen? Was für Leute gibt’s da? Erzähl.


Delia: Also ich glaube nicht, dass unsere Zeit dafür ausreicht. Weil es ist tatsächlich super, super vielfältig mittlerweile. Ich glaube, TikTok kann man am besten und schnellsten so beschreiben, dass es eben eine App für KurzVideos im Hochformat ist, wo du einen sehr sehr umfangreiche Edit Tools hast, also selbst auf der Creation Seite stehst, ganz ganz tolle Effekte einbinden kannst. Du kannst aber eben auch genauso gut konsumieren, Trends entdecken, suchen, verfolgen. Unternehmen folgen. Also eben auch tatsächlich einfach wie ein Netzwerk. Aber nur im Hochformat, so wie wir es von Snapchat auch schon ein bisschen kennen.


Saskia: Okay, das heißt um da stattzufinden, muss ich total der Video Experte sein. Ja? Nein?


Delia: Ne, da hast du absolut kein Video Experte sein, die Tools oder die Bedien-Möglichkeiten sind da relativ niedrigschwellig und du kannst dich da ganz ganz langsam rantasten. So ist das glaub ich auch bei den meisten irgendwie entstanden, die heute mit größeren Effekten arbeiten oder aufwändigere Videos produzieren. Die haben eben auch ganz normal angefangen. Also ich glaube es gibt keine Nische, die du auf TikTok nicht findest. Das ist irgendwie auch ganz cool und spannend. Vielleicht kommen wir da gleich noch ein bisschen zu. Aber klar, ganz klassisch: Ich glaub, wenn man TikTok hört, denkt man in erster Linie mal so an LipSync und tanzen. Also LipSync ist einfach auch noch ein bisschen historisch gewachsener, durch das ja vorher eben Musical.ly die App war, die TikTok ist, wo es eben genau darum ging diese LipSync Videos zu erstellen. Das ist mittlerweile also noch vorhanden. Es passt aber. Also es ist ein guter Mix irgendwie aus Themen. Es ist mittlerweile auch super viel zum Lernen da, zum Entdecken, eine große Inspirationsplattform geworden.


Saskia: Ich merke schon, ich verpasse anscheinend was. Ich weiß nicht, ob das meiner Screentime jetzt so gut tut, unser Interview. Wir werden sehen. Vor allem, weil ich persönlich dadurch, dass ich nur bei Instagram unterwegs bin, gefühlt drei Jahre später alles erlebe, was eigentlich Trend ist auf TikTok. Also ist die Frage so durch Instagram Reels ist das eine Konkurrenz für TikTok? Wie schätzt du das ein?


Delia: Ja und nein. Kann man da glaub ich sagen. Also es ist tatsächlich so, dass sehr, sehr viele Personen, die auf TikTok aktiv sind, aber auch auf Instagram aktiv sind, dass diese TikToks, die da erstellt werden, dass die eben auf Instagram Reels nochmal recycelt werden, was dann eben dazu führt, dass teilweise die Inhalte auch etwas später bei der Instagram Nutzerschaft ankommt. Tatsächlich ist es einfach so, dass Instagram und TikTok sich insofern unterscheiden, dass Instagram einfach dafür bekannt ist, dass da sehr sehr viel Hochglanz Content produziert wird und ich sag mal weniger echte Inhaltegibt. Und genau das ist das, was TikTok eigentlich in den Vordergrund rückt. Also da ist alles sehr, sehr authentisch. Natürlich gibt es da auch gescriptet Videos. Das will ich gar nicht abstreiten. Aber die sind eben ganz, ganz anders aufgemacht. Also da gibt es sozusagen Mut zur Hässlichkeit. ist ziemlich spannend, wie die beiden Netzwerke sich da unterscheiden. Aber man kann schon sagen, dass das ein Klon ist.


Saskia: Ja, das mit dem Mut zur Hässlichkeit schreib ich mir mal für später für meine übernächste Frage auf. Wobei mir da direkt auch dieses Buzzword Authentizität in den Sinn kam. Aber dazu später mehr. Und ich habe im Vorfeld überlegt: Wer treibt sich denn so auf TikTok rum? Weil ich spreche mit ganz vielen, die das tun und die sind ganz unterschiedlich alt. Und dann dachte ich: Naja, gut, du bist ja selber erst. Also du, ich Saskia, bin ja selber erst 28 und fresh. Aber passe ich so in die Zielgruppe? Wie würdest du so den typischen TikTok User, die Userinnen beschreiben?


Delia: Also ich tue mich damit super schwer, die typische Nutzerin oder den typischen Nutzer zu beschreiben, weil dafür ist TikTok einfach zu vielfältig. Also allein meine For you Page fängt glaube ich bei Content Creator an, die sag ich 15 bis 16 sind. Ich habe einen sehr, sehr alten, süßen Opi auf der For your Page, der jeden Abend Live-Videos macht und singt und der ist weit über 70! Und da sieht man allein schon: Die Inhalte unterscheiden sich da total. Aber wenn wir so ein bisschen auf die Nutzer Statistiken tatsächlich schauen, dann ist es so, dass 76 % der Nutzerinnen über 18 sind und nur 24 & unter 18; die Studie unterscheidet hier in männlich und weiblich. Und da ist es tatsächlich so, dass das sehr, sehr ausbalanciert ist. Wir haben 51 % weibliche Nutzer und 49 % männliche Nutzer, was ziemlich spannend ist. Und das ist dann glaube ich auch gerade wenn man auf andere Netzwerke schaut, die wie du schon angesprochen hast, die Screentime oder die Verweildauer. Die liegt nämlich bei TikTok, bei durchschnittlich 66 Minuten, die jemand in der App verbringt pro Tag. Genau. Es ist schon echt Wahnsinn.


Saskia: Wenn ich das jetzt mal zusätzlich addiere zu meinen aktuell drei Stunden – das darf niemand wissen, außer alle Leute, die diesen Podcast hören. Dann wäre ich über vier Stunden am Tag auf meinem Handy unterwegs plus Arbeitszeit plus ja, dann habe ich eigentlich kein Leben mehr. Vielleicht lassen wir das mit diesem TikTok erst einmal sein (Notiz an mich selbst). Ich habe eigentlich gedacht, dass da 14 bis 16 oder 14 bis 18 oder what ever, also die ganz Jungen – Ich weiß nicht, welche Gen das ist mittlerweile ist – aber so super super junge Leute unterwegs sind. Würdest du und würden die Zahlen aber nicht bestätigen oder?


Delia: Würde ich überhaupt nicht bestätigen. Also ich bin ich oute mich jetzt: Ich bin gesegnet mit ganz viel Food Talk oder Clean Talk. So wie sich die einzelnen Themengebiete mittlerweile auch selbst irgendwie zu eigenen TikTok -Unterkategorien herausgestellt haben. Und das ist also für mich ist das eine pure Wonne, da zuzuschauen. Und das sind tatsächlich auch einfach irgendwie Mütter oder Hausfrauen oder Hausmänner, die aus ihrem Alltag berichten, wie sie für die Family kochen, wie sie irgendwie irgendwelche Tipps geben und so. Und da muss ich tatsächlich sagen: Das finde ich schon spannend. Und ich glaube, dass ist dann gerade eben was, was auch eine ältere Zielgruppe mit einem eigenen Haushalt oder einer eigenen Wohnung auch interessiert. Als Beispiel nur, das gibt’s natürlich noch unendlich viele andere Bereiche. Aber das nur mal als Beispiel, dass man sich das ein bisschen vorstellen kann, wie das auch dann auf ein Thema speziell abzielt.


Saskia: Also ich würde mir jetzt mal mitschreiben für meinen Notizzettel. Wir wollen ja so ein bisschen darauf schauen, wie können das irgendwie Unternehmen nutzen oder Organisationen nutzen, dass es eben nicht mehr nur – ich sag jetzt mal ganz extra übertrieben – kleine junge Leute sind, die da irgendwelche LibSync Moves an den Start bringen. Wo ich so denke_ Boah, mit 14 hab ich anders getanzt. Aber okay. Aber dass da eben auch ganz viel anderes stattfindet und das ist eine super Überleitung, denn es gibt ja auch super viele Unternehmen, die da mittlerweile selber auch Accounts haben oder irgendwelche Kooperationen machen: Banken, Versicherungen, irgendwelche Industrieunternehmen. Das sind, wie ich finde, auch oftmals Unternehmen, wo man jetzt eigentlich sagen würde: Okay, die sind eher langsamer bei neuen Trends oder ein bisschen spießig vielleicht auch. Was würdest du denn sagen? Was für Unternehmen können denn generell auf TikTok sein, wenn es da überhaupt eine Eingrenzung gibt? Und was funktioniert denn für Unternehmen gut?


Delia: Erstmal ist die App und die Community hier glaub ich für alle Unternehmen spannend. Wir müssen nur ein bisschen aufpassen, gerade was das Thema Jugendschutz angeht, beispielsweise Tabakhersteller, Alkoholhersteller. Das ist natürlich etwas, was da nicht so ganz gut funktioniert. Einfach dadurch, dass es dann auch ein bisschen reguliert wird durch beispielsweise eine sehr, sehr große Moderation über TikTok Deutschland, dann auch, die da 24/7 dran sind und ja, gegebenenfalls eben auch Beiträge, die nicht ganz angemessen sind, rausfiltern. So wie wir es natürlich auch auf jedem Netzwerk irgendwie haben, weil wir es nicht kontrollieren können, welche Nutzer ihre Inhalte hochladen. Aber für Unternehmen ist es tatsächlich spannend, die einfach eine jüngere Zielgruppe erreichen wollen. Auch wenn wir vorhin nicht ganz differenziert haben, ob sie jetzt jung oder alt ist. Aber der Trend oder die Tendenz ist trotzdem da, auch eine jüngere Zielgruppe zu erreichen. Und das machen ganz viele Unternehmen schon. Beispielsweise dadurch, dass sie auch einfach Insider zeigen, also mal nicht irgendwelche werbliche Inhalte aufbereiten, sondern eher mal einen Blick hinter die Kulissen geben. Wie ist denn so ein Arbeitstag in Bank XY? Was arbeiten da eigentlich für Leute? Dann wird ein Azubi mal vorgestellt, wird Technik vorgestellt. Also da gibt es eine große Bandbreite. Und gerade dadurch, dass TikTok auch so ein bisschen diesen Lernen-Fokus in den Vordergrund gerückt hat. In der letzten Zeit sind da so Tutorials oder irgendwelche Anwendungen natürlich auch super spannend. Also auch für uns in der Kommunikationsbranche sind super viele Freelancer unterwegs, die ihre Skills teilen, die gute Tipps und Tricks teilen. Das ist irgendwie total spannend, da auch zu verfolgen, wie da die Community weiter wächst. Und genau das ist eben auch für Unternehmen spannend, die sich eine Community aufbauen und dann eben auch aus der Community selbst wieder Fragen rausziehen können oder eben rausfinden können, was interessiert denn die Generation, die in den nächsten Jahren zur kaufkräftigen Generation heranwächst?


Saskia: Okay, also sowas wie: Ich mache Wissenstransfer in meinem Fachbereich, indem ich unterwegs bin, beispielsweise: Ich bin eine Versicherung und dann sage ich „Hey, du junger Mensch – sehr unangenehm, wie ich das jetzt formuliert habe, so sollte man es wahrscheinlich nicht machen – hier, ich gebe dir mein Wissen“. Natürlich total unabhängig, aber der hält mich dann eben als Experte in dem Bereich in Erinnerung. Wäre das möglich z.B.?


Delia: Absolut. Da gibts zwei sehr sehr schöne Beispiele. Sind jetzt allerdings an der Stelle Selbstständige, aber das kann man glaub ich ganz gut übertragen. Es gibt beispielsweise Herrn Anwalt, der ist auch tatsächlich Anwalt und vertritt auch echte Klienten in echten Fällen und auf TikTok hat er eben eine Minute Jura ins Leben gerufen und erklärt da spezifische Fälle, klärt Fragen aus der Community und das ist mittlerweile ein sehr, sehr, sehr, sehr großer und auch beliebter Creator, der sich vor Likes und Views irgendwie gar nicht retten kann. Und genau das Gleiche bzw. analog dazu gibt es auch den Steuer Fabi, der über Mythen oder neue Änderungen in Gesetzen zum Thema Steuern aufklärt. Fabi muss explizit ausweisen, dass er eben keine Rechtsberatung macht, aber er gibt schon Tipps und Tricks und Hinweise, wenn sich irgendwie Steuergesetze ändern, die man einfach in der eigenen Steuererklärung beispielsweise berücksichtigen kann.


Saskia: Ja, zumal wir ja – da spreche ich jetzt so ein bisschen aus unserem Agenturalltag – viele Kund:innen haben, denen geht es jetzt nicht zwingend um Produktabverkauf noch und nöcher. Wo es nicht unbedingt die ganze Zeit um Sales geht. Und die haben ja vor allem Ziele, sich da irgendwie nachhaltig bekannt zu machen, ihr Image zu verändern, zu verbessern. Und das scheint mir da schon sehr, sehr sinnvoll zu sein. Werde ich mir selbst hinter die Ohren schreiben. Und ich hoffe, die Menschen, die uns zuhören auch. Was ich auch immer spannend finde: Abseits davon zu sagen, was denn total gut funktioniert oder was man machen kann, ist auch zu sagen, was denn so gar nicht geht. Also wo du dir das angeschaut und gedacht hast: Oh Gott, das geht gar nicht! Hast du da Beispiele, vielleicht auch ohne Namen zu nennen oder so, wo du sagst: Okay, wenn du das und das und das machst, dann bist du komplett raus bei Tik to the Tok?


Delia: Sobald es da irgendwie homophob wird Ausländerfeindlichkeit kundgetan wird, dann ist es vorbei. Also ich meine, da ist dann natürlich ein Punkt, wo dann die Moderation einschreitet. Aber falls sie noch nicht so schnell reagiert hat und das noch irgendwie auf meine For you Page auftaucht, dann ist die Kommentarspalte eigentlich voll mit irgendwelchen Verlinkungen, mit Hinweisen, dass das auch auf Missgunst irgendwie stößt. Und man hat auch als User eben die Möglichkeit, Videobeiträge zu melden. Was ich dann auch ganz, ganz wichtig finde. Und es wird auch verstärkt in so Fällen genutzt. Ich glaube, das merkst du ganz ganz schnell, ob deine Videos funktionieren und ankommen. Gleichbedeutend vielleicht mit einem NoGo sind, wenn sie super krass hochglanz-mäßig irgendwie aufbereitet sind und gar nichts zu dem zu dem Kanal passen.


Saskia: Wir haben ja jetzt eigentlich nur darüber gesprochen, dass man als Unternehmen auch selber Content kreieren kann. Es gibt aber auch ganz oft die Empfehlung oder zumindest habe ich das mit meinem Unwissen schon häufiger gehört, dass man eben auch mit Creator:innen zusammenarbeiten kann. Eben die Leute, die schon auf TikTok unterwegs sind, z.B. wie du gesagt hast, Herr Anwalt oder eben das mit der Versicherung, Steuerberatung whatever. Dass ich da mit den Leuten zusammenarbeiten kann. Lohnt sich das für Unternehmen eher, als einen eigenen Account zu erstellen? Wie würdest du das einschätzen?


Delia: Auch hier gibt es unterschiedliche Strategien an das Thema ranzugehen. Das kann natürlich dabei helfen, den eigenen Account – gerade wenn er irgendwie frisch ist – nochmal so einen kleinen Push zu verpassen. Es kann aber auch sein, dass du gar nicht auf TikTok selbst aktiv sein möchtest, aber trotzdem irgendwie in den Köpfen der Zielgruppe oder der Nutzerschaft auf TikTok erscheinst. Also die Möglichkeiten gibt es beide und im Idealfall ist es ja so, dass du dir dann einen Creator aussuchst, der auch schon eine Zielgruppe oder eine Community um sich hat, die dein Produkt, deine Dienstleistung, dein Thema irgendwie auch spannend findet oder den du das eben spannend vermitteln möchtest. Und dann bietet sich auf jeden Fall an. Da gibt es ganz, ganz viele Tools, wo du dir die passenden Creator:innen recherchieren und mit denen in Kontakt treten kannst. Und genau das ist ja auf jeden Fall ein riesengroßes Thema und es wird auch super breit genutzt.

Saskia: Und mittlerweile gibt’s ja auch relativ viele Möglichkeiten zu werben. Sage ich jetzt; ist wieder die Frage, ob das stimmt. Wenn ich jetzt sage: Okay, ich möchte nicht nur einen eigenen Account haben oder auch mit Creaor:innen Influencer Marketing machen. Was kann ich denn da an Anzeigen schalten?


Delia: Du kannst super viel Anzeigen schalten. Also beispielsweise gibt es ein sehr, sehr beliebtes und auch ein sehr teures Format. Wenn du nämlich die App direkt öffnest, kriegst du direkt einen kurzen Werbe-Screen sozusagen, hast dann einige Sekunden und kannst dann ganz normal in der in der App eben auf deiner Homepage weiter scrollen. Also das vertikale Scrolling da weiterbetreiben für jetzt das mal so ein bisschen bildlich zu sprechen. Und das bietet sich vor allem an für irgendwelche Events. Für jetzt gerade zur EM sind eben sehr, sehr viele dieser Videos gelaufen. Du kannst dir das aber auch gleichzeitig so vorstellen, z.B. ein Break Black Friday oder ähnliche Sachen wie Amazon Prime Day, dass die natürlich Monate lang ausgebucht sind. Ein Super Bowl wird mit Sicherheit nächstes Jahr und übernächstes Jahr in dieser Platzierungen schon weg sein, weil es eben ein 24-Stunden Placement ist und auch entsprechende Kosten hat. Also da sind wir schon im fünfstelligen, im oberen fünfstelligen Bereich. Du hast aber auch ganz normale Infeed Ads, sozusagen so wie wir sie auch aus anderen Netzwerken kennen. Und da hast du auch die Möglichkeit, einen Link zu setzen. Also da so eine Art Traffic Ad dann auch zu schalten. Und das ist, so glaube ich, etwas, womit sich viele Kundinnen vielleicht auch noch am ehesten anfreunden können, weil das glaube ich ganz ja viele Parallelen zu anderen Netzwerken hat, wie ich gerade schon gesagt habe.


Saskia: Ich hab letztens, das war auf LinkedIn, da hab ich das gelesen, das war so eine Kritik bei irgendeiner TikTok Kampagne, die irgendeiner Agentur geteilt hat. „Wow, tolle Kampagne!“ und dann hat irgendwer drunter geschrieben: “Jawohl krasse Reichweiten, weiß ich nicht wie viele Millionen Likes, Impressions, was auch immer. Das hat ja alles gar keinen Effekt. Das ist ja total irrelevant, weil man guckt sich das ja an. Man sieht das irgendwie und dann scrollt man weiter und es hat gar keinen nachhaltigen Effekt.“ Ich finde, das ist eine Kritik, die man theoretisch bei jedem Netzwerk loswerden könnte. Frage an dich: Würdest du sagen, dass wenn auf TikTok Inhalte konsumiert werden, dass das nur ein kurzfristiger Effekt ist, weil es eben so kurzer, snackable Content ist? Oder würdest du sagen, das ist schon Kommunikation auf TikTok, die einem mittel bis langfristigen Effekt hat?


Delia: Natürlich gibt es Inhalte, die tatsächlich eher kurzfristig sind und keinen keinen Effekt irgendwie nach sich ziehen. Das ist also das ist ja eigentlich fast tatsächlich in jedem Netzwerk zu finden. Es gibt aber genau auch das Gegenteil. Wir müssen uns ja auch ein bisschen überlegen, mit welchen Themen und Inhalten gehen denn Creator oder Unternehmen überhaupt auf diese Plattform? Und was wollen sie erreichen? Das korreliert halt total krass auch mit den Zielen. Also wenn ich jetzt nur die coole Hip Brand irgendwie sein möchte, dann reicht es auch, wenn ich coole, hippe Videos mache, die vielleicht ein bisschen Zeit in den Köpfen der Community bleiben, aber jetzt nicht langfristig einen totalen Effekt irgendwie. Aber es ist ja trotzdem im Unterbewusstsein. Dann hast du immer noch diese positive Verknüpfung zu diesem Inhalt, den du gesehen hast, der jetzt vom Brand X war.


Saskia: Ich hab heut super viel gelernt und ich hoffe, dass es unseren Hörerinnen und Hörern auch so geht. TikTok ist nämlich nicht nur was für tanzende Jugendliche mit LipSync-Fähigkeiten, sondern auch was für Unternehmen, die ihre Zielgruppe erreichen wollen. Vor allem weil sie tendenziell ein bisschen jünger ist. Delia war heute meine Partnerin in Crime bzw. in TikTok und hat jetzt nochmal die Top 3 Tipps für Unternehmen, die selber auf TikTok durchstarten wollen.


Delia: Also ein Tipp, den ich unbedingt mitgeben möchte: TikTok ist zwar Netzwerk für die junge Zielgruppe, trotzdem sollte man sich gut überlegen, ob das Netzwerk, ob die Community, ob die Ziele auch zur App passen. Weiterer wichtiger Tipp: Auf jeden Fall erst einmal die App und alles was darauf passiert, beobachten. Vielleicht ähnlichen Unternehmen folgen oder gucken, ob die aktiv sind. Trends, Hashtags, Sounds verfolgen. Und da gibt es auf jeden Fall eine Menge zu lernen. Und als letzten Tipp würde ich sagen: Dann geht’s ans Ausprobieren. Also erst beobachten, dann ausprobieren. Ich glaube, wer noch nicht irgendwie ausprobiert hat, was auf dieser App funktioniert, wie man diesen ganzen Editor-Funktionen zurechtkommt und so, der kann sich das nicht vorstellen. Und ich glaube, das ist super wichtig, um auch ein Gefühl dafür zu bekommen, was möglich ist und auch gerade so ein bisschen seine kreative Seite vielleicht in der Videoerstellung zu entdecken, ohne große Tools und Programme beherrschen zu müssen, sondern alles auf seinem kleinen süßen Smartphone erledigen zu können.


Saskia: Wenn es noch Fragen gibt zum Thema TikTok beantworten wie die gerne und mit wir meine ich natürlich Delia, d.h. ihr könnt gerne eine E-Mail schicken an uns und zwar an folgende Adresse: somex@k-zwoelf.com. Wenn ihr uns loben wollt ­– und mit uns meine ich auch hier wieder Delia – oder wenn ihr anderen Input habt, dann könnt ihr uns natürlich auch sehr gerne schreiben. Und es gibt auch eine Webseite von diesem Podcast. Da könnt ihr alle bisherigen Folgen anhören. Da haben wir unter anderem schon über sozialbewusstes Marketing gesprochen oder auch über Social Video: www.somex.k-zwoelf.com.

Was wir super spannend finden würden, da bestimmt ja der eine oder andere schon mal TikTok ausprobiert hat, der das ganz sicher anhört. Was denkt ihr denn von der Plattform? Findet ihr, die entwickelt sich auch gerade im unternehmerischen Kontext sinnvoll für die Kommunikation? Ist es eher schwierig? Habt ihr schon total tolle Beispiele selber gemacht oder gesehen? Redet mit uns drüber, schreibt uns an die eben genannte E-Mail Adresse oder einfach bei K12 auf Facebook, auf Instagram, auf LinkedIn. Wir sind überall und immer natürlich zu erreichen und freuen uns sehr auf euer Feedback.

Folge 12: Was ist sozialbewusstes Marketing?

Folge 12: Was ist sozialbewusstes Marketing?

Wenn ihr das Jahr 2020 in einem Wort beschreiben würdet, welches würdet ihr nehmen? Vielleicht sowas wie nervig, chaotisch, extrem, nervenzerreißend? Vielleicht fällt euer Urteil auch etwas milder aus, wie z.B. herausfordernd, anders, ungewöhnlich. Egal, wie euer 2020 war: Das letzte Jahr hat vermutlich das Leben aller Menschen ziemlich auf den Kopf gestellt. Auch auf Social Media hat sich im vergangenen Jahr einiges getan, was die Nutzungsweise der Plattformen verändert hat – es ist wesentlich politischer geworden!

Natürlich spielte Politik auch schon vor 2020 eine wichtige Rolle auf den sozialen Netzwerken. Twitter ist das beste Beispiel; hier wird jeden Tag über politische Themen diskutiert. Aber im letzten Jahr hat der politische Diskurs auf Social Media enorm zugenommen. Natürlich wegen der Corona-Debatten, aber auch wegen der US-Wahl, den Black Lives Matter Protesten und vielem mehr.

Das galt nicht nur für Normalo-NutzerInnern, sondern auch InfluencerInnen und Unternehmen bezogen Stellung zu Themen und zeigten Haltung. Das hat übrigens einen eigenen Begriff: sozialbewusstes Marketing. Unsere Prognose: Sozialbewusstes Marketing wird auch 2021 eine wichtige Rolle für Unternehmen und Creator auf Social Media spielen.

Wie echte Haltung auf Social Media rüberkommt und was es sonst noch alles braucht, darüber sprechen wir mit Christine Krüger aus dem Social Media Team. Ihr Fokus liegt unter anderem auf gesellschafts-politische Diskussionen auf Social Media, die sie stets ganz genau verfolgt.

Transkript

Off-Stimme: Social Media Expertenwissen. Der K12 Podcast. Folge 12.

Saskia: Wenn ihr das Jahr 2020 in nur einem Wort beschreiben würdet, welches würdet ihr nehmen? Vielleicht ja sowas wie: nervig, chaotisch, extrem, nervenzerreißend. Vielleicht fällt euer Urteil aber auch ein bisschen milder aus, wie z.B. herausfordernd, anders oder ungewöhnlich. Egal wie euer 2020 war, das letzte Jahr hat vermutlich das Leben aller Menschen ziemlich auf den Kopf gestellt. Auch auf Social Media hat sich im vergangenen Jahr einiges getan, was die Nutzungsweise der Plattformen verändert hat. Es ist nämlich wesentlich politischer geworden. Natürlich spielte Politik auch schon vor 2020 eine wichtige Rolle auf den sozialen Netzwerken. Twitter ist da ein super Beispiel: Hier wird jeden Tag über politische Themen diskutiert. Aber im letzten Jahr hat der politische Diskurs auf Social Media enorm zugenommen. Natürlich wegen der Corona Debatten, aber auch wegen der US-Wahl, den Black Lives Matter Protesten und viel mehr. Das galt nicht nur für normale Nutzer:innen, sondern auch Influencer:innen und Unternehmen bezogen Stellung zu Themen und zeigten Haltung. Das hat übrigens einen eigenen Begriff „Sozialbewusstes Marketing“. Unsere Prognose Sozialbewusstes Marketing wird auch 2021 eine wichtige Rolle für Unternehmen und Creator auf Social Media spielen. Wie echte Haltung auf Social Media rüberkommt und was es sonst noch alles braucht, darüber spreche ich heute mit meiner Kollegin Chris aus dem Social Media Team. Ihr Fokus liegt unter anderem auf gesellschaftspolitischen Diskussionen, auf Social Media, die sie stets ganz genau verfolgt. Mein Name ist Saskia da Costa Zuzarte. Ich freue mich nicht nur, dass er zuhört, sondern auch auf dieses spannende Thema.
Off-Stimme: Social Media Expertenwissen. Interview.

Saskia: Ok, Chris, ich bin jetzt mal ganz ehrlich. Sozialbewusstes Marketing ist jetzt nicht so ein total cooler Begriff. Kannst du mir erklären, was genau dahintersteckt?

Chris: Na klar. Beim Sozialbewussten Marketing sprechen Unternehmen Verbraucher:innen an, die mit ihrem Einkauf einen positiven Unterschied machen wollen. Sei es dadurch, dass die Produkte gewisse Vorteile mit sich bringen oder durch die Art und Weise, wie die Produktion abläuft. Dass sie beispielsweise besonders nachhaltig ist, aber auch Werte, die das Unternehmen lebt und nach außen kommuniziert, spielen dabei eine Rolle. Man spricht da auch manchmal von grünem Marketing oder Nachhaltigkeitsmarketing. Aber ich find den Begriff sozialbewusst nochmal so ein bisschen umfassender, weil es auch nochmal diese gesellschaftliche Dimension mit reinbringt und dass auch Themen wie Antirassismus, Antidiskriminierung oder Gendergerechtigkeit daneben Umweltaspekten auch eine Rolle spielen. Besonders Millennials oder auch die Gen Z achten da verstärkt drauf bei ihrer Kaufentscheidung. Das heißt, wenn sie vor einem Supermarktregal stehen und haben zwei Produkte zur Auswahl, dann entscheiden sie sich vielleicht im Zweifel eher für das eine Produkt, das irgendwie ein ja grüneres, sozialbewussteres Image hat.

Saskia: Ok, bedeutet, es geht quasi um, ich nenne es mal salopp so ein bisschen gesellschaftliches und oder politisches Engagement von Unternehmen. Das heißt, da muss auch wirklich was hinterstecken. Also ich sag mal wirklich gelebte Werte und nicht nur einfach so ein Label, was drauf geklatscht wird. Welche Rolle spielt denn überhaupt Social Media in dem ganzen Kontext?

Chris: Ja, Social Media ist natürlich ein Kommunikationskanal von mehreren, der da eine Rolle spielt. Besonders wichtig ist natürlich auch hier in Bezug auf die Zielgruppe. Wie ich gerade schon erwähnt hatte, spricht das Thema auch besonders ja jüngere Menschen an. Und natürlich bei Social Media ist auch der Vorteil, dass hier auch Diskurse ausgetragen werden. Das heißt, dass es nicht ein reines Sendungsmedium, sondern es gibt auch Kommentare zurück, sodass dort auf eine ganz andere Art und Weise kommuniziert werden kann. Und was wir so gemerkt haben, dass auch Social Media-Kanäle, die vielleicht auf den ersten Blick ein wenig oberflächlicher erscheinen wie Instagram oder TikTok, sich in den letzten Jahren wirklich stark politisiert haben und auch dort ganz andere Themen mittlerweile eine Rolle spielen. Man kann dann z.B. an letztes Jahr denken, als bei via TikTok der Trump Boykott aufgerufen wurde. Und auch bei Instagram sieht man ja eine Politisierung, die da in den letzten Jahren stattgefunden hat. Ich habe 2017 im Rahmen meiner Masterarbeit Thema Politik auf Instagram untersucht und damals waren da schon die ersten Anfänge bemerkbar, dass politische Parteien sich stärker dort kommuniziert haben, stärker vertreten waren. Seitdem kamen noch viele andere Themen hinzu wie Nachhaltigkeit, Feminismus, Antirassismus et cetera. Die bei ganz vielen Accounts mittlerweile eine größere Rolle spielen, auch wenn die Accounts eigentlich einen anderen Themenfokus haben. Also wenn man jetzt hier an Creator:innen oder Influencer:innen denkt, die vielleicht sonst eher Lifestyle Themen bedienen, findet man dort trotzdem auch andere gesellschaftlich relevante Themen wieder. Und das gleiche gilt auch für Unternehmensaccounts, die mittlerweile viel mehr Haltung zeigen auf Social Media und sich dort auch positionieren.

Saskia: Das erinnert mich tatsächlich ein bisschen an diesen Triple Bottom Line-Ansatz. Ich weiß nicht, wer von unseren Hörer:innen schon mal davon gehört hat. Die mit BWL-Hintergrund sind davon leider nicht entschuldigt gewesen, dass Unternehmen nicht nur wirtschaftlichen Erfolg anvisieren müssen, sondern auch soziale und ökonomische bzw. ökologische Gleichgewichtsaspekte nenne ich es mal, also sprich auf Deutsch gesagt so „die Gesellschaft muss dich akzeptieren, du musst legitim sein, damit du auch weiterhin als Unternehmen bestehen kannst, heutzutage.“ Klingt für mich so ein bisschen so, weil du ja auch gerade geschildert hast, die Entwicklung kam und dann haben sich Unternehmen eben auch so ein bisschen drauf aufgesattelt. Also die User:innen und die Konsument:innen fordern das ja mittlerweile von Unternehmen, Haltung zu zeigen. Und ich bin mir sicher, du hast da auch das ein oder andere gute Beispiel für uns in petto.

Chris: Genau, wen man da vielleicht sich mal anschauen könnte, die da wirklich schon mal Vorreiter sind, sind Unternehmen wie Patagonia, die beispielsweise sehr stark auf das Thema Nachhaltigkeit einzahlen und verschiedene Kampagnen fahren, um diesen Aspekt des Umweltschutzes zu thematisieren. Aber auch mal lifestyligere Marken wie Nike positionieren sich sehr stark, insbesondere beim Thema Antirassismus. Und ja, auch da beispielsweise mal ans letzte Jahr denkt an 2020 und an die Black Lives Matter-Proteste. Da wurde das Thema einfach auch nochmal ganz deutlich auf Social Media, weil wir erinnern uns wahrscheinlich alle daran, dass zum Black Out Tuesday wirklich fast alle Accounts dann ein schwarzes Quadrat gepostet haben, darunter auch sehr, sehr viele Unternehmen. Aber Marken wie beispielsweise Nike haben das jetzt nicht nur an diesem einen Tag aufgegriffen, sondern wirklich in einen größeren Kontext gesetzt. Und auch bis heute spielen die diese Themen und greifen es immer wieder auf in ihrer Kommunikation. Was das Ganze dann halt auch authentisch macht. Denn das ist halt auch ganz wichtig, dass man, wenn man Haltung zeigt, wie jetzt beispielsweise ein Black Out Tuesday, dass das keine Mitmach-Social-Media-Aktion für einen Tag ist und dann am nächsten Tag wird wieder ganz normal weiter kommuniziert, sondern dass man solche Termine irgendwie auch oder solche Anlässe dann auch wahrnimmt und vielleicht auch mal wirklich intern prüft. Okay, wie sind wir eigentlich aufgestellt und was können wir als Unternehmen vielleicht dann auch tun? Weil nur das wirkt dann natürlich am Ende des Tages authentisch. Und es ist halt auch wichtig, dass man das ganze Thema dann kontinuierlich verfolgt und nicht wirklich nur einmal im Jahr einen kleinen Post absetzt. Denn das merken halt die User:innen am Ende des Tages. Und da ist dann Vorsicht geboten, dass sich da dann nicht im Rückschluss dann doch ein Shitstorm entwickeln könnte.

Saskia: Der Shitstorm ist ein gutes Stichwort. Da haben die meisten Unternehmen ja panische Angst vor, dass da irgendwie eine kritische Stimme zurückkommt. Was bei solchen sehr politischen Themen ja quasi nicht vermindert werden kann. Würdest du jetzt quasi Unternehmen raten, das dann lieber nicht zu machen? Sollte da irgendwo eine Gefahr bestehen?

Chris: Ne, also ich finde nicht, dass man es nicht machen sollte. Man sollte aber einfach ganz genau prüfen, wie man welche Botschaften hinausträgt und sich dann vielleicht doch erst ein bisschen mehr Zeit zu nehmen, bevor man gewisse Haltung nach außen kommuniziert. Wenn man jetzt da auch wieder dran denkt, an das Posten des schwarzen Quadrats, dann auch zu schauen, okay, wie diverses eigentlich das eigene Unternehmen aufgestellt, welche Rassismen herrschen vielleicht auch intern und wie können wir damit umgehen? Denn das ist so ein ganz schmaler Grat, irgendwie auch zwischen Aktivismus und Aktionismus. Dass man da einfach auch schaut, dass man nicht nur Postings verfasst, sondern auch wirklich intern diese Themen prüft, das Ganze vielleicht auch transparent hält. Wenn es ist einfach auch ja in den meisten Fällen ein Work in Progress. Wenn man sich mit solchen Themen beschäftigt, dass man auch klarmacht: Ja, es ist noch nicht alles perfekt, aber wir arbeiten daran, ein gewisses Ziel zu erreichen, die Leute dann auf Social Media mitzunehmen und auch ganz wichtig diese nach außen getragenen Botschaften auch wirklich nach innen zu leben, in die Belegschaft. Denn sonst fliegt das Ganze früher oder später auf.

Saskia: Ich glaube, das ist auch für viele so die größte Herausforderung, dass es eben nicht nur darum geht, nach außen irgendwelche Botschaften zu senden und zu sagen: „Schaut mal, wie antirassistisch oder nachhaltig oder feministisch wir sind.“ Sondern eben den Kern in der internen Kultur einfach zu etablieren. Und dann kommt hier eigentlich erst die externe Kommunikation, so wie du das gerade auch gesagt hast. Uns hören ja so ein paar Leute zu, die selber in der Kommunikation oder im Marketing arbeiten in Unternehmen. Und ich kann mir gut vorstellen, dass die im Zuge dieser ganzen Thematik, die wir heute besprechen, öfter mal gefragt wurden so: „Hey, sach mal, sollen wir nicht mehr auch was antirassistischen posten? Das machen doch jetzt alle.“ Was würdest du den Leuten denn raten für ihren Arbeitsalltag?

Chris: Ich würde auch hier ganz klar sagen, erstmal auch intern zu prüfen, wie sind eigentlich die eigenen Strukturen? Wie sind wir als Unternehmen eigentlich aufgestellt, um da einfach auch mal sicherzugehen, dass nicht im Nachgang durch vielleicht auch Recherche von User:innen vielleicht Dinge auffliegen könnten in diesem thematischen Kontext, die man dann nicht kommunizieren möchte. Also wenn man jetzt das Thema Feminismus beispielsweise wählt, einfach um mal zu prüfen: „Okay, wie sind wir denn hier eigentlich aufgestellt? Unsere Belegschaft, haben wir weibliche Führungskräfte und wenn ja, in welchem Gleichgewicht herrscht das Ganze? Lass einfach mal zu schauen.“ Und falls man dann merkt: „Okay, hier herrscht irgendwie Nachholbedarf.“ Und das Ganze auch anzugehen und vielleicht dann, wie gesagt, transparent auch nach außen zu begleiten. Dass man da Ziele hat, um irgendwie einen Fortschritt zu machen, um sich zu verbessern, aber halt nichts zu beschönigen oder gar zu lügen. Natürlich, weil das würde früher oder später auffliegen und ja, der Shitstorm könnte kommen.

Saskia: Also es ist quasi nochmal auf den Begriff Sozialbewusstes Marketing. Im Endeffekt vermarktet man ja dann quasi nur das, was schon da ist und anders als bei vieler Werbung erfindet nicht oder übertreibt nicht oder beschönigt nicht. Finde ich auch, ist ein mutiges Thema. Also man braucht schon Mut, um das umzusetzen. Und so mal eben ist das glaube ich kein Trend, den man mitmachen sollte, wenn man das überhaupt so bezeichnen kann. Vielleicht nur rein kreativ orientierte Frage noch zum Schluss findest du denn es gibt bestimmte Formate oder Inhaltstypen, die dieses Sozialbewusste Marketing besonders gut vermitteln z.B. keine Ahnung Bewegtbildformate oder sowas wie ein Podcast fällt dir da spontan irgendetwas ein?

Chris: Ich finde in dem Zuge ja so Live-Formate immer sehr gut und auch sehr ehrlich, wo man halt direkt in den Austausch gehen kann. Sei es jetzt bei Instagram, Facebook oder wo auch immer, sich da den Fragen der Community zu stellen und da auch wirklich ehrlich drauf zu antworten. Transparent, weil das wirkt immer authentisch in meinen Augen auf jeden Fall, wenn das ganze über so ein Live-Format kommuniziert wird. Und ja sag ich mal weniger vorbereitet, sondern wirklich ehrlich transparent die Botschaften aussendet und man auch wirklich direkt Fragen von User:innen aufgreifen kann, beantworten kann oder halt auch sagt: „Okay, da haben wir jetzt aktuell noch keine Antwort drauf. Wir arbeiten dran.“

Saskia: Ich sehe schon, man muss ziemlich, ziemlich mutig sein und auch Vertrauen in die Kommunikator:innen haben, die man für solche Formate dann nachher da hinstellt. Weil da kannst du halt nicht 30 Freigabeschleifen drehen, sondern da müssen dann eben alle Leute, die daran teilnehmen, auch die Werte, um die es dann nachher geht, leben. Ich find‘s superspannend und danke dir sehr für die Einblicke.

Off-Stimme: Social Media Expertenwissen. In and out.

Saskia: Beim Sozialbewussten Marketing geht es darum, dass Unternehmen Verbraucher:innen ansprechen, die einen Unterschied machen wollen. Also zum Beispiel in puncto Nachhaltigkeit, im Tierschutz oder in der Gleichberechtigung. Ich persönlich finde ja auch gerade nach dem, was wir in der heutigen Folge gelernt haben, dass Marketing vielleicht gar nicht so passender Begriff ist. Chris hat uns ja gerade erklärt, dahinter stecken Werte, dahinter steckt Haltung. Da geht es nicht nur um zwei, drei Postings oder eine tolle Pressemitteilung. Bevor ihr also in blinden Aktionismus verfallt, hat Chris die wichtigsten Infos für euch nochmal zusammengefasst.

Chris: Ja, zusammengefasst kann man sagen, dass Hard Selling einfach nicht mehr funktioniert, vor allem nicht bei einer jüngeren Zielgruppe. Hier spielen einfach nochmal andere Faktoren wie Haltung und Werte eines Unternehmens eine wichtige Rolle bei der Kaufentscheidung und dementsprechend ist es wichtig, sich als Unternehmen auch zu positionieren und diese Werte zu definieren. Social Media ist dabei eine geeignete Kommunikationsplattform, um das Ganze nach außen zu tragen, denn die verschiedenen Plattformen sind in den letzten Jahren politischer geworden und diese Themen haben hier eine größere Relevanz gewonnen und man kann dort sehr gut in die Diskurse einsteigen. Ganz wichtig aber: Authentizität und Transparenz. Und das Ganze geht nicht von heute auf morgen. Und User:innen merken, wenn es dann am Ende nur ein Fake ist.

Saskia: Wenn ihr Fragen zum Thema Sozialbewusstes Marketing auf Social Media habt, beantworten wir die natürlich sehr gerne. Schickt dafür einfach ne Email an:

Off-Stimme: somex@k-zwoelf.com

Saskia: Wenn ihr uns loben wollt, kritisieren wollt oder anderen Input habt, dann könnt ihr uns natürlich auch sehr gerne schreiben. Auf unserer Website könnt ihr auch alle bisherigen Folgen anhören. Da reden wir unter anderem über den Einfluss von Corona auf Social Media und Data Storytelling.

Off-Stimme: somex.k-zwoelf.com.

Saskia: Ich bedanke mich für‘s Zuhören und freue mich schon auf die nächste Folge.

Off-Stimme: Und nicht vergessen Abonniere uns. Und rede mit deinen Freunden darüber.

Folge 11: Welchen Einfluss hat die Corona-Pandemie auf Social Media?

Folge 11: Welchen Einfluss hat die Corona-Pandemie auf Social Media?

Seit spätestens März 2020 steht die ganze Welt Kopf wegen Corona. Doch nicht nur politisch, wirtschaftlich oder gesellschaftlich hat die Corona-Pandemie meist enorme negative Auswirkungen gehabt – auch in sozialen Netzwerken war und ist sie spürbar.

Viele Unternehmen standen und stehen daher vor der Herausforderung, ihre Social Media-Aktivitäten anzupassen, (neu) auszurichten oder (neu) aufzusetzen. Doch welche Social Media-Entwicklungen sind essentiell, was ist nur Kür? Und: Welche Fähigkeiten und Eigenschaften sind seitens Social Media-ExpertInnen jetzt stärker denn je gefragt? 

Das K12 Social Media Team sammelt in der 11. Folge des Podcasts alle Erfahrungen und Learnings aus der Corona-Krise und gibt wertvolle Praxistipps für die Arbeit von Social Media-ExpertInnen. Das Team erzählt von Beobachtungen auf verschiedenen Plattformen: von Veränderungen im Content, Fake-News Strudeln und dem Risiko digitaler Filterblasen, wie die Nutzer mit der Corona-Pandemie umgegangen sind und wie sich das aktuelle Geschehen auf Kommunikation und Marketing-Strategien ausgewirkt hat.

Dabei geht es uns nicht nur um neue Social Media-Innovationen, sondern vor allem um die Skills, die Social Media-ExpertInnen jetzt brauchen (und oftmals schon lange in sich tragen). Also: Nehmt euch Stift und Papier, macht die Lautsprecher an und lauscht unseren zwölf Minuten Wissenstransfer!

Transkript

Off-Stimme: Social Media Expertenwissen. Der K12 Podcast. Folge 11.

Saskia: Corona – fast kein anderes Wort hat in diesem Jahr für mehr Unsicherheit, Krisenmodus, Verzweiflung, Umstellung oder Neudenken gesorgt. Jede:r war und ist auch noch in irgendeiner Form davon betroffen. Auch wir als Agentur und all unsere Kunden. Die einen mehr, die anderen weniger. In der heutigen Podcastfolge von Social Media Expertenwissen wollen und können wir allerdings nicht über politische oder wirtschaftliche Konsequenzen sprechen, sondern wir fokussieren uns auf unser Kernthema: Social Media. Denn auch auf das hatte Corona teils massive Auswirkungen. Was ändert sich dadurch für uns als Kommunikatoren? Müssen wir Social Media anders verstehen und nutzen? Oder ist das doch nur eine Phase, die wieder vorbeigeht? Unser Social Media-Team versucht in Somex Folge 11 darauf Antworten zu finden. Ich bin Saskia und ich freue mich, dass ihr zuhört.

Off-Stimme: Social Media Expertenwissen Zeit. Inside.

Saskia: Denkt mal an eine Sache in Bezug auf Kommunikation, die durch Corona massiv beeinflusst und verändert wurde. Was fällt euch ein? Vielleicht ist es die Kommunikation mit Kolleg:innen, die größtenteils nicht persönlich, sondern virtuell in Chats oder Telefonaten erfolgen musste und muss. Das ist manchmal ziemlich knifflig, wenn Gestik und Mimik fehlen oder eben durch eine Kamera nur bedingt einsehbar sind. Vielleicht denkt ihr aber auch sofort an Fake News und Verschwörungstheorien. Eine ziemlich beängstigende Entwicklung, wie ich finde. Vielleicht fallen euch aber auch positive Beispiele ein, z. B. weil ihr häufiger und intensiver mit euren Liebsten gesprochen habt. Egal was euch eingefallen ist: Kommunikation und Corona bedingen einander. Genauso ist es auch mit Social Media und Corona. Schließlich ist vieles im Social Web auch durch Dialog geprägt. Um herauszufinden, wie genau Corona auf Social Media wirkt und gewirkt hat, habe ich mich bei meinen Kolleg:innen im Social Media- und Content Marketing-Team umgehört. Meine Kollegin Christine hatte dabei eine gute Antwort parat, inwiefern die Corona Krise durch und in Social Media spürbar war.

Christine: Ich würde sagen, die Relevanz von Social Media bzw. digitaler Kommunikation ist nochmal gestiegen, beispielsweise im Hinblick auf die Nachrichtenlage und auch Informationsbeschaffung. Gerade zu Beginn haben sich die Corona Meldungen und die daraus ergebenden Fragen ja sehr schnell geändert. Und via Twitter und Co. blickt man über den aktuellsten Stand informiert und konnte andersherum viele Menschen sehr schnell erreichen. Aber auch als Kommunikationsweg für Unternehmen ist Social Media wichtiger geworden, um mit den eigenen Zielgruppen in Kontakt zu bleiben. Für Personen, die Social Media bzw. digitaler Kommunikation bislang skeptisch gegenüberstanden, gab es in Zeiten von Kontakt Beschränkung eigentlich keinen Weg mehr daran vorbei. Man musste sich zwangsläufig mit dem Thema auseinandersetzen.

Saskia: Mehr Relevanz für Social Media und digitale Kommunikation. Klar, wenn ich nicht mehr in Persona mit den Menschen sprechen kann, muss ich die Verbindung anderweitig aufrechterhalten. Wir sind schließlich alle soziale Wesen und auch Unternehmen hatten so die Chance, weiterhin mit Kunden, Mitarbeitenden und weiteren Personen Kontakt zu halten. Außerdem haben wir festgestellt, dass Social Media viel stärker als Informationsquelle genutzt wurde. Infografiken zu aktuellen Fällen, Checklisten für die richtige Hygiene, Animationen, die erklären, wie sich das Virus verbreitet und und und. Vor allem auf Instagram war diese Entwicklung spürbar. Das haben auch viele Unternehmen erkannt und sich via Social Media noch stärker als Expert:innen positioniert. Gerade wenn sie mehr oder weniger wichtige Inhalte mit Corona Bezug zu kommunizieren hatten. Unsere Prognose: Dieser Informations-Trend wird auch weiterhin Bestand haben. Doch was ist, wenn die Informationen nicht stimmen? Fake News, also das bewusste Verbreiten von falschen oder irreführenden Meldungen, die als Fakt oder Nachricht gekennzeichnet werden? Das gibt’s schon lange, aber durch Corona haben sie massiven Aufwind bekommen. Wie meine Kollegin Melanie erklärt.

Melanie: Durch Corona ist die Informationsflut enorm gewachsen und war gespickt mit, was ich gerne nenne „Fake News Strudeln“. Das stellt in seinem Ausmaß eine große Herausforderung für das Community Management dar. Und in diesen Momenten ist es für Unternehmen einfach superwichtig, eine klare Haltung zu haben, dies auch zu zeigen und zu leben.

Saskia: Fake News – ein Thema, über das wir zahlreiche Podcastfolgen machen könnten. Klar ist In Zeiten der Unsicherheit und immer größer werdenden Komplexität ist es natürlich schön, wenn scheinbar alles eine große Verbindung bzw. Verschwörung ist. Und durch sogenannte Echokammern oder Filterblasen, also digitale Räume, in denen die eigenen Ansichten räsonieren, multiplizieren nicht korrigiert werden. Steigern sich viele noch mehr da rein als vor Corona. Fake News sind natürlich eine negative Sache des Ganzen. Wenn wir uns die grundsätzliche Entwicklung auf den Social Media-Plattform anschauen, fällt eines besonders auf: viel, viel Content. Meine Kollegin Delia hat ein paar gute Beispiele in petto.

Delia: Ich habe einen starken Corona Einfluss auf TikTok gespürt. Es gab beispielsweise Corona Challenges und zu dem Sound „It`s Corona time“ wurden über 100.000 Videos erstellt. Es gab dann auch so eine Info bei jedem Beitrag, wo Corona Erwähnung fand. TikTok hat dann auf eine Informationsseite rund um das Thema Corona verlinkt. Aber nicht nur auf TikTok. Ich hab’s auch auf Instagram gemerkt, dass dort beispielsweise vermehrt Inhalte zu dem Thema „fit at home“ gespielt wurde. Also alles was durch Ausgangssperren irgendwie begrenzt wurde, wurde dann in die eigenen Räume gelegt. Das hat am Ende dafür gesorgt, dass dadurch noch mehr Content oder anderer Content erstellt wurde.

Saskia: Und Christine ergänzt mit LinkedIn:

Christina: LinkedIn ist ein gutes Beispiel: Remote Work, New Work, agiles Arbeiten etc.. Also die Buzzwords wurden nur so um sich geschmissen. Begleitet von Screenshots von Videokonferenzen. Diese Screenshots haben aber auch zu allem etwas, ja, einer etwas lockereren Stimmung auf LinkedIn geführt. Hier hat man auch mal Bilder von Videokonferenzen im Jogginganzug mit Haustier oder Kind gesehen und das war zumindest in meinem Feed etwas Neues.

Saskia: Klar, je nach Netzwerk war die Art von Content unterschiedlich. Viel Content gab es aber überall und nicht nur viel Content, sondern viel „Alles“, um es mal salopp zu sagen. Meine Kollegin und Teamleiterin Jo bringt es auf den Punkt. Flexibel und authentisch werden, bzw. bleiben, ist das Motto.

Jo: Alles verändert sich. Deshalb müssen Unternehmen und damit eben auch Social Media-Manager:innen flexibler sein denn je. Und gegebenenfalls eben auch in der Lage sein, sofern sinnvoll, von ihrer Kommunikationsstrategie abzuweichen. Ich denke, dass es mittlerweile vielen bekannt ist. Es gilt in dieser Zeit neue oder auch veränderte Bedürfnisse der Kunden zu identifizieren, d. h. auch hier spielt wieder Analytics eine große Rolle. Und diese durch die Social Media Kommunikation zu bedienen. In dem Kontext hat sicher auch die Bedeutung von Community Management zugenommen, würde ich sagen. Ich sehe es als unerlässlich an, ein offenes Ohr für Feedback und Fragen der Zielgruppe zu haben und darauf eben auch schnell zu reagieren, d. h. auch reaktionsfähig zu sein. Und was sich jedoch nicht ändern sollte, sind Transparenz und Authentizität in der Kommunikation. Das heißt, die Krise sollte meiner Meinung nach nicht zur Markenpositionierung ausgenutzt werden.

Saskia: Das heißt auch, ehrlich zu sich selbst sein. Die heute richtigen Entscheidungen in puncto Social Media können morgen schon redundant sein. Das bedeutet, das kritische Hinterfragen der eigenen Arbeit ist für Social Media-Professionals wichtiger denn je. Hier kann es auch helfen, sich regelmäßig Team- oder abteilungsübergreifend auszutauschen, um nah am Kunden sowie den Unternehmenszielen zu bleiben. Was die Corona Krise aber auch verstärkt hat, ist die Solidarität untereinander im Social Web. Communities haben sich gebildet bzw. vergrößert. Die Hilfsbereitschaft war oftmals extrem positiv. Davon kann auch mein Kollege Torben berichten.

Torben: Zu Beginn der Pandemie habe ich privat eine Masken Spendenaktion über Instagram organisiert und dort eine große Welle der Solidarität erfahren. Insgesamt haben wir über 2.500 Euro gespendet

Saskia: Für Unternehmen, die sich im Zuge ihrer Corporate Social Responsibility stark machen, kann die aktuelle Phase somit auch eine Chance sein, ihre Sichtbarkeit zu erhöhen und für wichtige Gesellschaftsthemen zu sensibilisieren. Aber auch hier gilt das, was Jo vorhin gesagt hat: Die Krise sollte nicht zu Markenpositionierung genutzt werden.

Off-Stimme: Social Media Expertenwissen – in and out.

Saskia: Seit Anfang des Jahres 2020 steht die Welt gefühlt Kopf und genauso die Social Media Welt. Corona hat auf die digitale Kommunikation massiven Einfluss gehabt. Was das für die Arbeit von Social Media Kommunikator:innen bedeutet, haben wir für euch nochmal zusammengefasst.

Jo: Ganz klare Lerneffekte für mich. Durchatmen und ruhig bleiben: macht flexibel und anpassungsfähig. Aber wir haben auch einen Einfluss auf die Kreativität gesehen. Das heißt, es war viel mehr Kreativität notwendig und auch bestand die Notwendigkeit, diese quasi anzukurbeln hinsichtlich neuer Kommunikationsformate oder auch neuer Wege Zielgruppen zu erreichen und gegebenenfalls auch wieder zu lernen, besser hinzuhören und auch hinzuschauen.

Delia: Ich finde, Corona bietet für Social Media auch viele Chancen. Viele Kunden haben meiner Meinung nach gemerkt, dass sich Mut lohnen kann und auch weitervermittelt bzw. gestärkt werden sollte. Sei es bei neuen Formaten Live, Kommunikation und und und. Und: Es gibt keine Lösung für alle. Das ist uns, glaube ich, ganz deutlich geworden. Daher gilt: immer weiter individuelle Ideen entwickeln und die Augen offenhalten.

Torben: Es ist eine wichtige Aufgabe, Fake News noch konsequenter aufzudecken und zu melden. Dabei können wir alle helfen. Eine Studie aus den USA hat diesen Sommer außerdem bestätigt, dass Gegenrede in Kommentarspalten für weniger Hassrede sorgen kann. Es lohnt also auch im Netz den Mund aufzumachen.

Melanie: Der größte Lerneffekt für mich bleibt flexibel. Auf jeden Fall. Denn zwischen Theorie und Praxis können Welten liegen und manchmal ist die Theorie schlichtweg einfach nicht mehr umsetzbar. Bleibe auf dem Laufenden. Beschäftige dich noch stärker mit dem Markt und lass der Kreativität freien Lauf. Und ganz besonders wichtig: Kollegen aus anderen Disziplinen mit an Bord. Denn Teamwork war und ist stärker denn je gefragt.

Christine: Schnelles und gutes Community Management ist noch wichtiger geworden. Durch kurzfristige Meldungen oder auch Änderungen haben User:innen vermehrt Social Media Kanäle genutzt, um zu erfahren, wie die aktuelle Situation bei Unternehmen, Geschäften oder Restaurants aussieht. Ist das Geschäft XY geöffnet? Welche Regeln muss ich beachten? Ist dieses und jenes noch erlaubt? Auf all diese Fragen mussten Community Manager:innen schnell reagieren und dabei selbst stets den Überblick über die aktuelle Corona Lage behalten.

Saskia: Uns interessiert natürlich auch, welche Corona-bezogenen Erfahrungen ihr gemacht habt, oder ob es eurerseits Fragen zum Thema gibt. Auf beides freuen wir uns. Schreib uns einfach eine E-Mail.

Off-Stimme: somex@k-zwoelf.com

Saskia: Wenn ihr uns loben wollt oder anderen Input hat, könnt ihr uns natürlich auch sehr gerne schreiben. Auf unserer Website könnt ihr auch alle bisherigen Folgen anhören. Da reden wir unter anderem über die perfekte Social CI und das ideale Social Video.

Off-Stimme: somex@k-zwoelf.com

Saskia: Ich bedanke mich fürs Zuhören und freue mich schon auf die nächste Folge.

Off-Stimme: Und nicht vergessen: abonniere uns und rede mit deinen Freunden darüber.

Folge 10: Warum brauche ich eine Social CI?

Folge 10: Warum brauche ich eine Social CI?

Die Feeds unserer Netzwerke sind gefüllt mit Grafiken, Videos, Animationen, 3D-Ansichten und sonstigen visuellen Reizen. Vom Logo einer Marke bis zum strategisch gestalteten Marketing Video – aber an wie viele davon erinnern wir uns am Ende des Tages wirklich noch?

Gerade Unternehmen aber auch beruflich genutzte Personenprofile stellt das natürlich vor eine besondere Herausforderung: Ziel ist es, dass Inhalte bei den NutzerInnen gut ankommen, bestenfalls auch noch überzeugen und sie sollen sich daran erinnern, was sie gesehen haben.

Und nicht nur das – visuelle Inhalte haben das große Potential auch einen Wiedererkennungswert zu schaffen, um sich von anderen Unternehmen abzuheben. Dafür ist die Definition eines einheitlichen Konzepts wichtig. Das betrifft verschiedene Bereiche, wie das „Corporate Design“, also das visuelle Erscheinungsbild, die Unternehmenskultur und die externe sowie interne Kommunikation.

Vor allem in den sozialen Medien kann Inkonsistenz in Kommunikation und Design die Wahrnehmung der Öffentlichkeit zu einer Marke negativ beeinflussen. ExpertInnen verwenden für die visuelle Unternehmensidentität den Begriff Corporate Identity, kurz CI. Übertragen auf soziale Netzwerke wird das dann „Social Media Corporate Identity“ genannt. 

Und genau darum soll es heute gehen: Die visuelle Identität in sozialen Netzwerken. Unsere liebe Svenja aus der Kreation begleitet mit ihren Designs unter anderem die Entwicklung der Corporate Identity bei vielen unserer Kunden. Wir haben etwas tiefer gebohrt und gefragt: Worauf kommt es an, was macht eine gute Social CI aus und ist das alles nur ein eher kurzweiliger Trend?

Transkript

Off-Stimme: Social Media Expertenwissen. Der K12-Podcast. Folge 10.

Delia: Die Feeds unserer Netzwerke sind zuhauf gefüllt mit Grafiken, Videos, Animationen, 3D Ansichten und sonstigen visuellen Reizen. Mal Hand aufs Herz Wer kann sich an mehr als drei Bilder erinnern, die heute im eigenen Feed aufgetaucht sind? Gerade Unternehmen, aber auch beruflich genutzte Personen Profile stellt das natürlich vor eine besondere Herausforderung. Inhalte sollen bei den Nutzer:innen ankommen, bestenfalls auch noch überzeugen – und sie sollen sich daran erinnern, was sie gesehen haben. Und nicht nur das: Visuelle Inhalte haben das große Potenzial, auch einen Wiedererkennungswert zu schaffen. Und genau darum soll es heute gehen: Die visuelle Identität in sozialen Netzwerken. Die nennen Expert:innen „Social Media Corporate Identity“. Unsere liebe Svenja aus der Kreation begleitet unter anderem die Entwicklung der visuellen Identität bei vielen unserer Kundenprojekte. Wir haben etwas tiefer gebohrt und gefragt: Worauf kommt es an? Was macht eine gute Social CI aus? Und ist das alles vielleicht auch eher nur ein kurzweiliger Trend? Mein Name ist Delia West und ihr hört die zehnte Folge von „Social Media Expertenwissen“.

Off-Stimme: Social Media Expertenwissen. Interview.

Delia: Wir als Agentur hören die Frage nach dem Warum häufig wenn es um die Entwicklung einer Social CI geht. Gerade dann, wenn schon eine Corporate Identity vorhanden ist. Svenja hat für uns mal auf den Punkt gebracht, welche Zwecke eine Social CI erfüllt.

Svenja: Über Social Media wird ja die Barriere zum Unternehmen selber quasi gekürzt. Und das bedeutet, dass sich die Beziehungen zwischen Unternehmen und Rezipient verändert. Und eine Social Media Corporate Identity schafft quasi die Rahmenbedingungen für diese Beziehung.

Delia: Rahmenbedingungen schaffen – sehr wichtig. Vor allem mit Blick auf eine vorangestellte Social Media Strategie. In der werden initial Ziele und Zielgruppen festgelegt. Übrigens: wenn ihr in puncto Social Media Strategien noch Wissensdurst habt, die erste Folge unseres Podcast widmet sich genau diesem Thema. Aber jetzt zurück zur Social Media CI. Welche Rahmenbedingungen müssen denn dort definiert werden? Was ist überhaupt eine „gute“ CI?

Svenja: Konsistenz. Und zwar in sämtlichen Belangen. Das betrifft die zu vermittelnden Inhalte, das Wording und die Gestaltung. Und die Nutzer bewegen sich ja so schnell in den sozialen Netzwerken und als Unternehmen muss ich da einfach schnell erfassbar und erkennbar sein. Prägnant auftreten. Damit die Absprung grad möglichst klein ist. Als Nutzer weiß sich im besten Fall sofort, mit welchem Unternehmen ich mich gerade beschäftige. Und es kann sich auch positiv auf das Markenbild auswirken wenn man über den eigenen Tellerrand blickt, was die Gestaltung und die Themen angeht. Deswegen sollte ich als Unternehmen keine Angst haben mit den Trends zu gehen. Sich auszuprobieren. Inhaltlich sowie gestalterisch. So bleibt man im Gespräch. Das Gute ist ja auch, dass man diese Sachen sofort messen kann auf Social Media und dann merkt: das funktioniert, das funktioniert nicht.

Delia: Klingt wie ein Rezept. Man füge Konsistenz und Prägnanz der Social CI hinzu und: tada! Aber weit gefehlt. Die Liste mit Herausforderungen ist lang. Neben strategischen Entscheidungen spielen auch bei der Gestaltung viele weitere Aspekte eine wesentliche Rolle. Wir haben es eben nicht mit DER Plattform Social Media zu tun, sondern mit den dazugehörigen Netzwerken und Eigenheiten.

Svenja: Also ich würde behaupten, dass jeder der Arbeitsschritte eine Herausforderung ist, vor allem in der Konzeptionsphase beschäftigt man sich nochmal erneut mit der Zielgruppe – erschließt vielleicht sogar neue Zielgruppen – die man über die klassischen Medien einfach nicht erreichen kann. Auch die Festlegung auf die Vielzahl an Tools, über Dialog-Möglichkeiten der einzelnen Plattformen. Das kann einen zunächst erschlagen, dort die richtigen Maßnahmen auszuwählen und vor allem auch die richtige Menge an Maßnahmen. Ist schwierig, ist aber auch wichtig. Da mich aber besonders in diesem Prozess die Gestaltung betrifft, muss ich entscheiden, welche Gestaltungselemente ich aus dem regulären Corporate Design auf das Social Media Corporate Design übertrage. Und ob ich vielleicht neue Gestaltungselemente für diesen Anwendungsbereich entwickele. Und dann gibt’s noch die Vorgaben der einzelnen Social Media Plattformen. Da muss ich im Gestaltungsprozess beachten wie groß beispielsweise das Logo des Unternehmens dargestellt werden kann, an welche Maße ich mich halten muss, ob meine Grafiken von anderen Elementen oder Symbolen auf der Plattform verdeckt werden, oder wo ich eben für diese Elemente Platz lassen muss.

Delia: Die Entwicklung und Umsetzung einer Social Corporate Identity umfasst also viele Facetten. Aber wenn wir schon bei Umsetzung sind: Wie lässt sich das Ganze für Unternehmen oder Einzelperson praktikabel umsetzen, wenn die Pflege der Social Media Kanäle in der eigenen Hand liegt und nicht von einer Agentur übernommen wird?

Svenja: Dazu muss der Kunde verstehen inwiefern sich das Social Media Corporate Design von dem regulären Corporate Design unterscheidet. Da kann ein Style-guide oder ein Social Media Corporate Design Manual helfen, welches sich auf die Maßnahmen, Gestaltung und die Kommunikation der Marke auf den verschiedenen Social Media Plattformen konzentriert. Und wenn der Kunde sich selber um die Pflege der Social Media Kanäle kümmern möchte ist es sinnvoll, wenn für sämtliche Maßnahmen Templates erstellt werden. Ich als Designer entwickle also für sämtliche Formate, die gespielt werden, auf den verschiedenen Plattformen Vorlagen. Gegebenenfalls auch für verschiedene Programme wie beispielsweise InDesign, Powerpoint oder sogar Canva. Und um den Kunden an das Thema heranzuführen, an die eigene Pflege der Social-Media-Plattformen ist zur Einführung ein praxisorientierter Workshop mit dem Kunden gemeinsam auch sehr hilfreich. Da kann man nochmal die Möglichkeiten der Plattform und deren Funktion gemeinsam erforschen.

Delia: Templates helfen also vor allem die Kern-Zutat „Konsistenz“ langfristig umsetzen zu können, damit sich das Logo oder grafische Elemente, beispielsweise, immer an der gleichen Stelle wiederfinden. Da sind wir auch schon wieder bei einer Herausforderung vom Anfang: Wiedererkennungswert. Der wird natürlich auch durch die konsistente Gestaltung kreiert. Noch ist die Notwendigkeit für eine Social CI nicht bei allen professionellen Social-Media Nutzer:innen angekommen. Ob sich das noch ändert? Svenja hat für uns einen Blick in die Glaskugel zum Thema Social CI geworfen.

Svenja: Ich gehe davon aus, dass Unternehmen oder Einzelpersonen mit hoher Reichweite nicht mehr um das Thema Social Media Corporate Identity oder Corporate Design drum herumkommen. Die Nachfrage nach Professionalität in diesem Bereich ist so hoch, dass die Unternehmen oder Einzelpersonen ohne einen guten Social Media Auftritt nicht mehr sichtbar sind, sondern im digitalen Wust untergehen. Ich persönlich sehe Social Media eben nicht mehr nur als neues Medium, sondern als Grundvoraussetzung für Unternehmen.

Delia: Auch wenn Social Media längst nicht mehr neu ist, so ist es doch ein sich stetig Weiterentwickelndes Mediums. Das wisst ihr selbst vermutlich am besten. Und auch die Social Media Corporate Identity wird dadurch beeinflusst.

Svenja: Das stetige Wachstum an neuen Funktionen und die Verknüpfung der einzelnen Social Media Plattformen miteinander werden, denke ich, einen großen Einfluss auf die Content Planung haben. Aber auch die wachsende Transparenz, die durch Social Media entsteht. Schnelligkeit spielt auch eine große Rolle. Also, wie schnell reagiere ich als Unternehmen auf Social Media, auf bestimmte Themen? Wie zeige ich Haltung? Von welchen Themen distanziere ich mich?

Delia: Die perfekte CI vereint also Konsistenz, Prägnanz und Anpassungsfähigkeit im Sinne von neuen Formaten und Inhalten, auf die reagiert werden sollte. Und was sind No-Gos bei einer Social CI?

Svenja: Die größten Fehler beim Thema Social Media Corporate Identity sind für mich definitiv Inkonsistenz in der Gestaltung, im Wording der Formate und Inhalte. Das sorgt beim Rezipienten einfach für Verwirrung und kann sich negativ auf die Unternehmens-Wahrnehmung auswirken.

Delia: Wer sich jetzt fragt: Wo kann ich mir denn eigentlich mal so ein richtig gutes Beispiel zur Social Media Corporate Identity anschauen? – Für den hat Svenja noch einen Tipp parat.

Svenja: „Best Practices“ für Social Media Corporate Identity sind für mich, ja, einer meiner Favoriten ist Puls – also Puls Reportagen. Die sind besonders auf YouTube, Facebook und Instagram aktiv, arbeiten also auch plattformübergreifend und nutzen sämtliche Möglichkeiten der Plattform aus. Und gehen direkt in den Dialog mit der Zielgruppe.

Off-Stimme: Social-Media Expertenwissen. In and Out.

Delia: Wir fassen zusammen: Die Entwicklung einer Social Media Corporate Identity ist also definitiv ein Thema, das uns auch in der nächsten Zeit noch weiter stark beschäftigen wird. Und zurecht. Denn wer sichtbar sein will, muss sich nicht nur mit Themen oder coolen Kampagnen, sondern auch mit seiner visuellen Identität beschäftigen und die strategische Herangehensweise auf diese übertragen. Svenja fasst für uns nochmal zusammen, was bei der Social CI wichtig ist.

Svenja: Konsistenz in allen Belangen, wie ich es auch schon oft gesagt habe. Qualität der Inhalte. Und Mut, auch mal was Neues auszuprobieren.

Delia: Ihr habt Fragen zum Thema Social CI? Die beantworten wir gerne. Schickt doch einfach eine Mail an:

Off-Stimme: somex@k-zwoelf.com

Delia: Wenn ihr uns loben wollt oder anderen Input habt, könnt ihr das natürlich auch sehr gerne schreiben. Auf unserer Website könnt ihr auch alle bisherigen Folgen anhören. Da reden wir unter anderem über Data Storytelling und Barrierefreiheit.

Off-Stimme: somex.k-zwoelf.com.

Delia: Ich bedanke mich bei euch fürs Zuhören und freue mich auf die nächste Frage.

Off-Stimme: Und nicht vergessen: Abonniere uns. Und rede mit deinen Freunden darüber.